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Mein erster Einsatz

… bei der Flensburger Tafel der Johanniterhilfe e. V.

Meine Füße tun weh. Das ist mein erster Gedanke nach meinem Projekteinsatz bei der Flensburger Tafel. Ich bin ein bisschen müde, aber gut gelaunt. Vier Stunden habe ich verpackte Burger- und Hotdog-Brötchen ausgegeben, zahlreiche Wünsche für ein schönes Wochenende bekommen, manchmal auch ein kleines Gespräch mit einzelnen Nutzerinnen und Nutzern geführt, leere Kartons weggebracht und neue, volle Stiegen mit Brötchen geholt. Ich habe nicht einmal auf die Uhr geguckt, und hätten meine Füße nicht klare Signale gegeben, hätte ich nie gedacht, dass ich hier volle vier Stunden gestanden habe…

Zurück an den Anfang: Der erste Kontakt war völlig unkompliziert. „Komm‘ einfach vorbei. Am besten an einem Freitag“, lädt Tafelleiter Klaus Grebbin mich ein, nachdem ich von meinem Projekt erzählt habe. Mittwochs und freitags sind die Ausgabetage für Lebensmittel. Über 4.000 Familien versorgt die Flensburger Tafel der Johanniter Unfallhilfe hier mit Lebensmitteln. Als ich an meinem ersten Freitag um kurz vor elf in der Waldstraße bin, wartet bereits eine kleine Gruppe Menschen auf den Ausgabestart – ausgestattet mit Trollies und zahlreichen großen, stabilen Tüten.

Ich war noch nie in einer Tafel, das hier ist mein erster Projekteinsatz, und ich bin „die Neue“ in einer großen Gruppe ehrenamtlich engagierter Menschen, die hier zum Teil seit vielen Jahren regelmäßig helfen. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Einmal durchatmen und rein. Drinnen ist es noch ruhig, ein paar Helfer sind schon da, einige haben eine grüne Schürze mit Tafel-Logo an. Eine richtige Vorstellung davon, wie eine „Tafel“ aussieht, hatte ich nicht, aber ich bin überrascht, wie groß es hier ist. Und es sieht aus wie in einem sehr gut sortierten Supermarkt. Jede Woche holen Tafelmitarbeiterinnen und -mitarbeiter Lebensmittel ab, die Unternehmen spenden. Die werden dann im großen Lager sortiert und geprüft, denn: Nur Ware, die einwandfrei ist, wird ausgegeben.

Die Abläufe sind klar geregelt: Die Nutzerinnen und Nutzer werden der Reihe nach bedient. Sie zeigen an den unterschiedlichen Ausgabe-Stationen ihre Berechtigungsausweise, auf denen die Zahl der Personen steht, für die sie Lebensmittel abholen dürfen. Das Angebot ist jedes Mal ein anderes.

Währen der gesamten vier Stunden stehen immer neue Menschen vor „meiner“ Station. Zwischendurch bringen Helfer aus dem riesigen Lager Nachschub, Helferinnen lösen sich untereinander ab. Die Stimmung ist konzentriert, aber meist fröhlich. Nur wenige Minuten, nachdem der letzte Nutzer, den ich bediene, kurz vor 15 Uhr vor mir seine Brötchen in eine Tüte einpackt, ist schon alles ab- und aufgeräumt. Ich schaffe es grad noch, zumindest meinen Platz für heute selbst mit dem Handbesen sauber zu machen. Meine Kollegin hat schon den großen Besen in der Hand und fegt zusammen. Bei meinem zweiten Besuch ist es nicht anders. Über 200 Menschen gehen an mir vorbei, bekommen Pizza und Brötchen – wenn sie wollen.

Auch wenn ich nur zwei Ausgaben hinter dem Tresen gestanden habe, ist mir klar: Die Abläufe hier sind klar vorgegeben und nur, wenn alle sie einhalten, läuft die Ausgabe so reibungslos wie sie eben läuft. Das klingt nach Fließbandarbeit, ist aber viel eher gut abgestimmtes Teamwork. Eine geschlossene Gruppe ist es trotzdem nicht: Zumindest fühle ich mich schnell integriert.

Im April geht es mit der nächsten Station weiter: Ich werde im Sozialkaufhaus Mehrwert mithelfen. Auch für Mai bis Oktober habe ich meine Engagement-Stellen schon gefunden. Jedes Mal wieder bin ich dann die „Neue“. Ich bin neugierig, was mich erwartet.