Kultur, Kaffee und Kuchen

Der Erste, der mich ansieht, als ich in den Kulturhof komme, ist ein alter blauer Topfdeckel, der mit einer runden Brille und anderen antiken Gegenständen zu einem fröhlichen Kunstobjekt arrangiert wurde. Neben ihm hängen und stehen weitere Objekte, die das Geschehen in dem mit alten Sofas und großen Holztischen gemütlich eingerichteten Raum aus ihren Brillengläsern mal überrascht, mal altklug, mal verschmitzt zu beobachten scheinen. Der Kulturhof ist eine Galerie auf Zeit für Künstler aus der Region, aber längst nicht nur das. Im Raum duftet es nach Kaffee, im Glastresen stehen selbstgebackene Kuchen, an einer Wand hängt ein Schild mit arabischer und eines mit persischer Schrift.

„Ein wunderbarer Ort und Treffpunkt, der das offene Flensburg zeigt.“ Mit diesem Satz beginnt ein Kommentar auf der facebook-Seite des Kulturhofs (ehemals Brasseriehof). Der Verein hat sich im September 2016 gegründet. „Flensburgs Wohnzimmer“ – so der Slogan des interkulturellen Treffs – ist im November mein Engagement-Zuhause.

Bei einem Treffen der Kulturhof-Aktiven besprechen wir, wo ich mit anfassen kann: Ich helfe beim foodsharing-Frühstück am Sonntag, stehe beim Donnerstags-Café hinter dem Tresen und unterstütze bei der Vorbereitung für ein Seminarcatering. So bekomme ich einen ganz guten Einblick in die Vielfalt der Angebote. Fehlt nur noch ein Abend mit Hutkonzert, aber die kenne ich schon – zumindest aus der Gastperspektive.

Das foodsharing-Frühstück ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Kulturhof e. V. und den Flensburger foodsharern. Seit 2017 steht im Vorflur der Kulturhofräume ein „Fair-Teiler“ mit Regal und – ganz neu – Kühlschrank. Hier kann jeder Lebensmittel hinbringen, die noch gut sind, aber nicht mehr verbraucht werden können. Und jeder kann kommen und sie sich rausnehmen.

Beim foodsharing-Frühstück werden gerettete Lebensmittel direkt gemeinsam „verfrühstückt“. An meinem Einsatztag stehen zahlreiche Kisten und Tüten mit Obst, Gemüse, Käse, Aufschnitt, Marmeladen und anderen Leckereien in der Küche, die definitiv viel zu schade sind, um sie zu entsorgen. Ich darf dabei helfen, daraus ein Brunchbuffet zu bestücken. Kein Problem! Wir dekorieren Teller mit Aufschnitt, schnippeln Karotten, Kartoffeln & Co für Backofengemüse und Äpfel, Mangos und Birnen für einen Obstsalat. Schnell füllen sich die Tische – und Flensburgs Wohnzimmer wird zum Frühstückscafé. Alle Tische sind voll und die Teller leeren sich.

Beim Donnerstagscafé ist es zwar nicht ganz so voll und daher auch nicht so viel zu tun, aber der Gemütlichkeit tut das keinen Abbruch. An zwei Tischen sitzen die Frauen und Männer vom Handarbeitstreff. Sie stricken, häkeln, fachsimpeln, trinken Kaffee und genießen den Kuchen, den die Ehrenamtlichen vom Kulturhof gebacken haben. Eine Preisliste gibt es weder beim foodsharing-Frühstück noch beim Donnerstagscafé. Hier soll jeder kommen können. Auch bei den Konzerten geht nur der Hut rum. Denn der Verein ist auf Spenden angewiesen. Wer mehr hat, darf also gern mehr in die Spendendosen – oder eben in den Hut – werfen. Auch wer Zeit „spenden“ möchte, ist im Kulturhof-Team willkommen.

An meinem letzten Einsatztag helfe ich dabei, ein Catering für eine Seminargruppe vorzubereiten, die den Raum für den Vormittag gebucht hat. Auch das ist eine Einnahmequelle für den Verein: Er vermietet seine Räume im Brasseriehof (Große Straße 42-44) für Seminare oder private Feiern – je nach Wunsch auch mit kleinem Catering. Eine gute Idee. Ich habe mich in „Flensburgs Wohnzimmer“ mit all seinen aktiven Bewohnern und Gästen jedenfalls schnell „Zuhause“ gefühlt.

www.kulturhof-flensburg.de, aktuelles Programm auf der facebook-Seite