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„Adrenalin-Engagement“

… auf der folkBALTICA

Wenig Schlaf, ein ganz neuer Tagesrhythmus und jede Menge Adrenalin und Endorphin-Ausstoß – mit meinem Einsatz als Helferin auf der folkBALTICA habe ich nach Tafel und Sozialkaufhaus eine ganz andere Art des Ehrenamtes kennengelernt. Für mich ist es das „Adrenalin-Ehrenamt“.

Bei drei (von insgesamt 30!) Konzerten war ich als Helferin dabei. Mein erster Einsatz war gleich eine besondere Herausforderung für mich: das Eröffnungskonzert im Alsion in Sonderburg. Als Besucherin war ich schon zweimal dort, aber in diesem Jahr hatte ich einen Job. Ich habe in der Pause und nach dem Konzert die CDs der Künstler verkauft – und das an ein zum Teil dänisches Publikum. Ich war ganz schön aufgeregt: Nach zwei Dänischkursen und ein paar Abenden mit dänischen TV-Serien fühlte ich mich noch nicht wirklich so weit, meine Sprachkenntnisse in den Alltag zu entlassen. War dann aber alles kein Problem, weil mir eine Mitarbeiterin vom Alsion zur Seite stand – und nach dem Konzert sogar ihr Chef. Die übrigens beide fließend (!) deutsch, dänisch und vermutlich auch englisch sprechen…

Bei den beiden Konzerten in Flensburg, wo ich ebenfalls Einlass und CD-Verkauf mitgemacht habe, fühlte ich mich dann schon sicherer – und die kurzen Wortwechsel mit den Künstlern fanden zu meiner Erleichterung meist auf Englisch statt. Außerdem habe ich schnell gemerkt, dass rund um mich herum einfach alles perfekt organisiert ist: Für jeden Einsatz haben wir Helfer einen detaillierten Ablaufplan bekommen. An unseren jeweiligen Einsatzorten stand immer eine gelbe Postkiste mit individuellen Checklisten, Info- und Arbeitsmaterial. Wir waren alle mit Team-Namensschildern ausgestattet, die an folkBALTICA-Schlüsselanhängern um unseren Hals hingen, waren immer und überall nicht nur bestens informiert, sondern auch versorgt, und obwohl ich manchmal das Gefühl nicht loswurde, dass wir dem hauptamtlichen Orgateam noch zusätzlich Arbeit machen, kam immer wieder ein herzliches Dankeschön – auch von den Künstlern.

Obwohl ich von den umfangreichen Vorbereitungs- und Organisationsaufgaben nur die „Spitze des Eisbergs“ mitbekommen habe, habe ich mich immer mittendrin gefühlt – im Festival und im Team. Das lag sicher auch daran, dass bei einem zeitlich klar umrissenen Engagement wie diesem alles komprimiert ist: Wer mehrere Tage hintereinander bis spät in die Nacht gemeinsam CD´s verkauft, im Ansturm ausverkaufter Veranstaltungen den Einlass macht, Künstlerinnen und Künstler vom Flughafen abholt oder im Backstage-Bereich kurz vor und nach ihrem Auftritt versorgt, danach gemeinsam aufräumt, zusammen großartige Konzerte erlebt und nach „Feierabend“ bis in die Morgenstunden zusammen Adrenalin und Endorphine wieder aus dem Körper tanzt, lernt sich viel schneller und intensiver kennen als bei einem regelmäßigen Ehrenamt.

Allerdings ist es auch deutlich schwieriger, wieder im Alltag anzukommen – und das nicht nur wegen des Schlafentzuges. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Kater am Tag danach. Die geballt auftretenden intensiven Glücks- und auch Stressgefühle fehlen. Und es ist mir zwar etwas peinlich, aber ich gebe zu: Mir fehlt auch der „Team-Ausweis“ am blauen folkBALTICA-Band, mit dem ich während des Festivals überall einen klitzekleinen „Wichtig-Status“ genossen habe.

Trotz weiterhin anhaltender Katerstimmung steht für mich fest: Wenn ich darf, gehe ich auch im kommenden Mai gern wieder für ein paar Tage freiwillig auf Schlafentzug.