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Blog #ImkeEngagiertinFlensburg

Imke engagiert sich ein Jahr lang jeden Monat (max. 12 Stunden) als freiwillige Helferin bei einem Verein/einem Event/einer Einrichtung in Flensburg. Über ihre Erfahrungen berichtet sie in ihrem Blog #ImkeEngagiertinFlensburg.

Ärmel hochkrempeln und einfach los engagieren!

Ich mag Flensburg. Wegen der Küste, der Sprache, der Nachbarschaft zu Dänemark und wegen der Menschen. Ob zugezogen – so wie ich selbst – oder Original-Flensburger*innen: Ich habe den Eindruck, wem in Flensburg jeden Tag der frische Wind um die Nase weht, den pustet so schnell nichts um. Hier machen die Menschen viel eher mal den Mund auf, gehen für ihre Ideen auf die Straße und krempeln die Ärmel hoch, wenn ihnen was nicht passt. Flensburg ist eben nicht nur bunt, sondern auch engagiert!

Zugegeben: Bisher bin ich selbst kaum engagiert. Irgendeine Entschuldigung hatte ich immer, meist ein Projekt, denn ich bin selbständig. Aber jetzt habe ich mich selbst überlistet – mit meinem neuen Projekt #ImkeEngagiertinFlensburg. Zwölf Monate lang will ich mich jeden Monat für eine andere Sache/einen anderen Verein engagieren. Meine Regeln: Einsatzort Flensburg, max. 12 Stunden/Monat (inkl. Fahrtzeiten, Einarbeitung etc.), und ich mache nichts, mit dem ich als Selbständige meinen Lebensunterhalt verdiene.

Jeden Monat berichte ich an dieser Stelle von meinen Erfahrungen, und am Ende will ich mein Engagement-Jahr noch einmal zusammenfassen – in welcher Form, weiß ich noch nicht.

Ich gucke überall nur rein. Das ist etwas ganz anderes, als das zuverlässige Engagement, das viele andere leisten – und das zum Teil schon seit Jahren. Meiner Meinung nach ist es trotzdem auch eine Möglichkeit, sich einzubringen. Ich kremple jetzt zumindest die Ärmel hoch und probier’s einfach mal aus.

Ich freue mich auf alle, die mich über diesen Blog dabei begleiten – als Leser*innen und gern auch mit ihrer eigenen Meinung. E-Mail: kontakt@textspot.de 

Imke

Juli

Ehrenamt mitten im Grünen

… bei der villekula

Ich knie am Rand eines schmalen Beetstreifens. Unter mir streckt sich in einer Reihe noch recht kurzes, zartes Karottengrün aus dem Boden, in der Mitte klettern Erbsen und Bohnen an einem Rankgitter empor, und dazwischen wächst jede Menge „was auch immer“. Zumindest nichts von dem, was auf den Schildchen am Anfang des Beetes steht. Sind es Tomatenpflanzen, die sich selbst gesät haben, lasse ich sie stehen. Alles andere kommt raus. Erst in den Eimer und dann in das Gehege, wo Paula, das Gartenschwein des Nachbarn, sich schwanzwedelnd und laut grunzend darüber hermacht.

Die villekula ist für drei Vormittage mein Engagement-Ort. Das gesamte Gelände ist rund 0,5 Hektar groß, inklusive Erdbeer- und Kartoffelfeldern, etlichen Beeten, kleinem Staudengarten, Feuerstelle, Küche, Outdoor-Dusche, Geräteraum, Spielbereichen und Kompostklo. Vor fünfeinhalb Jahren hat Tjorven Reisener in ihrem eigenen Schrebergarten den Grundstein für das Gartenprojekt gelegt. Damals suchte die Uni ein Betreuungsangebot für Mitarbeiterkinder, deren Eltern nach den üblichen KiTa-Zeiten noch arbeiten mussten. 2014 wurde der Verein gegründet, seit 2016 hat das Projekt mit dem villekula-Land ein größeres Zuhause.

An den Tagen, an denen ich mir mit viel Genuss die Finger schmutzig mache, ist für eine Woche vormittags eine Kindergruppe von der Flüchtlingshilfe im Garten, an einem der Nachmittage feiern zwei Kinder ihren Geburtstag auf dem Gelände. Regelmäßig kommen Schulklassen und Kindergartengruppen zum Gärtnern. Einige von ihnen haben hier ihre eigenen Hochbeete angelegt, die sie pflegen. Tjorven und ihr Team erkunden mit den Kindern das Gelände, spielen, pflanzen, ernten und kochen zusammen. Monatlich durchschnittlich 300 Kinder erleben und begreifen hier, wie aus einem Samenkorn eine Pflanze wird und aus Teilen der Pflanze ein leckeres Mittagessen.

Natürlich bewirtschaften die Kinder das Gelände nicht allein. Rund 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützen Tjorven bei den Büroarbeiten, beim Pflanzen, Gießen, Ernten und Unkrautjäten. Die villekula-Gründerin selbst kümmert sich außerdem um Förderanträge für den Verein, Einkäufe und alles, was sonst noch anfällt.

Nach zwei Tagen im Beet spüre ich den ersten Muskelkater. Trotzdem freue ich mich schon auf den nächsten Morgen. Ich hätte vorher nicht gedacht, wie sehr ich vier Stunden in der Erde wühlen genießen würde. Ich kann bei diesem grünen Ehrenamt prima entspannen, entdecke verschüttetes „Gartenwissen“ aus meiner Kindheit wieder, freue mich über Marienkäfer, Ameisen, Asseln und zusammengerollte Tausenfüßler genauso wie über den Geruch von Tomatengrün und Lavendel. Die größte Zufriedenheit stellt sich aber ein, wenn ich nach meinem Einsatz die von mir „aufgeräumten“ Beete sehe.

Und mit Fingernägeln, die auch nach dem dritten Händewaschen noch schwarze Ränder haben, gehe ich abends geerdet und zufrieden ins Bett. Ehrenamtliches Engagement kann auch ohne viel Kontakt mit Menschen rundum zufrieden machen!

Juni – Als Helferin beim 3. Flensburg liebt dich Marathon
Mai – „Adrenalin-Engagement“ auf der folkBALTICA
Mai – Engagement schafft soziales Zuhause
April – Mein Büchertraum beim Sozialkaufhaus MehrWert
März – Mein erster Einsatz bei der Flensburger Tafel
Februar – Flensburgs Engagierte sind schnell!